Fahrschüler
Presse

"Ich fiebere mit jedem Einzelnen mit"

Güstrower Fahrschullehrerin Angela Zepick liegen ihre Schüler besonders am Herzen

Angela Zepick kann ein Auto zum Stehen bringen, das sie gar nicht selbst fährt. Sie ist nämlich Fahrschullehrerin und kann deshalb auch auf dem Beifahrersitz bremsen. Damit das möglichst nicht am Tag der Fahrprüfung passiert, versucht die Güstrowerin ihre Fahrschüler theoretisch und praktisch auf diesen Tag vorzubereiten. „Ich lebe in dieser Arbeit richtig auf“, sagt sie.

Sie strahlt viel Ruhe aus und bringt, wenn es sein muss, unendlich viel Geduld auf. Zu Gute kommt ihr dabei, dass sie einmal in einem Beruf tätig war, der genau dieses enorme Maß an Geduld verlangt.

Angela Zepick, die 1966 in Güstrow geboren wurde, träumte schon als Mädchen davon, in einem pädagogischen Beruf zu arbeiten. Nach dem Abitur studierte sie an der pädagogischen Hochschule in Güstrow. Aber das Fach Polytechnik gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie brach das Studium ab, erwarb im Fernstudium die Ausbildung zur Unterstufenlehrerin und arbeitete als Erzieherin an der Pestalozzi-Schule.

Weil nach der Wende Stellen abgebaut wurden, freute sie sich über die Möglichkeit als Erzieherin in Schleswig-Holstein zu arbeiten. Dort betreute sie geistig und körperlich behinderte Kinder und solche, die von den Eltern im Stich gelassen wurden. Die Arbeit füllte sie aus, aber die Sehnsucht nach Mecklenburg und den Mecklenburgern war so groß, dass sie 1994, nach vier Jahren, in die Heimat zurückkehrte.

Bei zeitlich begrenzten Projekten konnte sie dann als Erzieherin in Teterow tätig sein. Als ihr Vater, Gustav Zepick, in Rente ging und sie fragte, ob sie seine Fahrschule übernehmen würde, überlegte sie nicht lange und machte ihren Fahrlehrerschein für Pkw und Motorrad.

„Es gibt auch in diesem Bereich viele Momente, die glücklich machen, sagt sie. „Zum Beispiel, wenn meine Schüler die Fahrprüfung meistern. Äußerlich merkt man es mir nicht an, aber ich fiebere mit jedem Einzelnen mit.“ Sie hat auch schon Männer weinen sehen. Wenn nämlich junge Frauen die Prüfung bestanden haben, kullerten nicht nur bei ihnen Freudentränen, sondern auch bei den Vätern.

Aber es ärgert sie immer wieder, wenn diejenigen, die schließlich auch einmal in einem Fahrschulauto als Schüler gesessen haben, sich nicht rücksichtsvoll verhalten, wenn so ein Auto vor ihnen fährt.

Ihre Freizeit verbringt Angela Zepick mit Fußball – nicht auf dem Spielfeld, sondern als Zuschauerin. Sie feuert ihre beiden Söhne an, die in der Jugendmannschaft von Grün – Gold - Güstrow spielen. Die Jungs, die Dank ihrer Unterstützung fast soviel Zeit wie Profis für das runde Leder aufbringen können, haben viele ihrer Kenntnisse an die Mutter weitergegeben. „Ganz zu Anfang habe ich bei jedem Tor gejubelt“, sagt sie. Nun kennt sie längst auch die Abseitsregel.

Menschliche Wärme schenkte sie nicht nur den Söhnen, sondern auch den Fahrschülern. Man sieht dem Unterrichtsraum an, dass ihn eine Frau eingerichtet hat, denn es stehen immer frische Blumen und Kerzen auf den Tischen.

SVZ 2006 Ditte Clemens


Startseite | Links M-Z | Links A-L